J.B.O. und ganz viel explizite Lyrik

Im Hause J.B.O. feiert man augenscheinlich gerne oft und ausgelassen. Denn nachdem die Erlanger letztes Jahr noch auf großer Jubiläumstournee anlässlich ihres 25jährigen Bandbestehens waren, eröffneten die Männer in Rosa am 02.10.2015 im Live Club Barmen in Wuppertal die nächste ganz besondere Konzertreihe: Die Explizite Lyrik Jubliläumstour 2015.

Der Grund für den Tournamen liegt auf der Hand: Zum 20. Geburtstags des legendären Debütalbums Explizite Lyrik aus dem Jahr 1995 wird dem Meilenstein mit dieser Tour angemessen Tribut gezollt.
Eröffnet wurde der Konzertabend pünktlich um 20 Uhr von Stepfather Fred, die bereits mit ihrem Opener Kill voll auf die Zwölf gaben und über die Bühne flitzten was das Zeug hielt. Der Saal war bereits ansehnlich gefüllt und der stampfende Heavy Alternative Rock der Allgäuer wurde vom Publikum sehr wohlwollend aufgenommen.

Für das unplugged gespielte Stück Silence hatte sich das Quartett schließlich etwas Besonderes einfallen lassen: Das Lied spielte die Band in der Mitte des Saals und das Publikum, das die Band umgab, hielt derweil hunderte brennende Feuerzeuge hoch, die vor der Show an jeden Gast verteilt worden waren. Eine schöne Idee, die einmal mehr unter Beweis stellte, dass Feuerzeugschimmer doch alle mal atmosphärischer ist als leuchtende Smartphonemonitore.

Jetzt war das Eis zwischen Band und Publikum dann auch endgültig geschmolzen – kein Wunder bei der Menge an Feuerzeugen – und die Meute machte von nun an deutlich mehr Stimmung. Insgesamt lieferten Stepfather Fred einen sehr guten Job als Opener ab, was man vor allem an den vielen schwarz-rosa (manch einer auch ganz in rosa) gekleideten Fans der selbsternannten Rosa Armeefraktion erkennen konnte, die die Vorband ordentlich abfeierten.

Nach einer kurzen Umbaupause legten dann endlich die Erlanger Spaßbacken von J.B.O. volle Möhre – wie könnte es auch anders sein – mit dem Gassenhauer Bolle los. „Nanu“, wird nun mancher vielleicht gedacht haben, „das Stück ist doch gar nicht vom Album Explizite Lyrik“. Das stimmt, aber die Band erklärte auch sofort, dass entgegen der Tourankündigung doch nicht nur das Album Explizite Lyrik am Stück runtergespielt sondern zusätzlich auch viele andere Hits der Bandgeschichte gespielt werden würden. Zum Glück, denn sonst hätte man auf Publikumslieblinge wie etwa die Symphonie der Verstopfung (eine Megadeth-Parodie von Symphony of Destruction) verzichten müssen!

Zu Vier Finger für ein Halleluja vom aktuellen Album Nur die Besten werden alt lieferte sich kurz darauf der Superheld Vier-Finger-Man in (na klar) rosa Kostümierung einen Showkampf mit dem grässlichen Langweiler, der letztlich von der Gute-Laune-Musik angesteckt wurde und seine Langeweile mit einem Solo auf der blinkenden Spielzeugukulele besiegen konnte. Erst hier nach folgte mit Kuschelmetal – einem Medley aus diversen Kuschelrockklassikern, die wie für J.B.O. üblich „minimal“ im Text verändert wurden – der erste Song vom Jubiläumsalbum Explizite Lyrik.

Im Folgenden gab es an diesem feuchtfröhlichen Konzertabend der Erfinder des Comedy bzw. Fun Metal Dank der urkomisch veränderten Lyrics weiterer berühmter Rock- und Popsongs – wie z.B. Walk with an Errection (im Original Walk Like an Egyptian von The Bangles), Gimme Doop Joana (Gimme Hope Joana von Eddy Grant), Diggin‘ The Nose (Born In The U.S.A von Bruce Springsteen), Ka Alde, ka G’schrei (No Woman No Cry von Bob Marley) oder Schlumpfozid im Stadtgebiet (Das Lied der Schlümpfe von Vader Abraham) noch allerhand zum Schmunzeln und Mitgröhlen.

Mit dem besinnlichen Ein guter Tag zum sterben, bei dem das Publikum ein wenig Durchatmen konnte, steuerte der Auftritt dann auch so langsam dem Ende entgegen. Zum krönenden Abschluss durfte natürlich das Lied J.B.O. (eine Parodie auf Manowars Carry On) nicht fehlen. Ohne einige Zugaben – darunter Verteidiger des wahren Blödsinns – durfte die Band die Bühne natürlich nicht verlassen.

Abschließend bleibt festzuhalten: Wer J.B.O. nicht geil findet, versteht keinen Spaß. Daher heißt es bei J.B.O. auch folgerichtig: „Wer den Spaß hat, der hat die Macht!“ Und Spaß hatten alle Besucher, die sich nicht vor ulkigem Spaßmetal verschließen, an diesem Abend eine ganze Menge.

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